Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Ungebetene Gäste

Ich lernte gerade bei meinem Vater die Arbeit als Stadtplaner, als er in die Schlacht gegen Sparta reiten musste. Stolz übernahm ich seine Aufgaben. Aber keine Woche verging, da war mein Tatendrang verflogen. Dass ich alleine mit der Planung der neuen Stadt betraut war, hatte sich verbreitet wie ein Lauffeuer. Täglich kamen viele ungebetene Besucher. Erst die Edelleute aus Athen und dann auch die von ausserhalb. Sobald das eine Paar Sandalen ging, kam das nächste. Sie scharwenzelten um meine Wachstafel und konnten ihre Augen kaum von den Planquadraten lösen. Fast hundertmal erklärte ich, dass die Planung von der Gleichberechtigung der Wohnstandards bestimmt wird. Damit alle Bürger den gleichen Zugang zu allen Stadtteilen haben. Zum Markt, zu den Abstimmungen, den Tempeln und den Freizeitangeboten. Keiner hörte mir zu. Also liess ich die Besuche nur noch über mich ergehen. Als mein Vater hinkend zurückkam, war ich erleichtert und erzählte ihm alles. Er lächelte verständnisvoll und sagte: „Mach dir keine Sorgen. Morgen befreien wir uns von den Geiern.“ 

Am nächsten Tag stand ich an der Wachstafel als der erste Gast eintrat. Kaum hatte er sich vorgestellt, hinkte mein Vater hinein und rief: „Willkommen! Ihre Zeit ist sicher kostbar. Wie können wir helfen?“ Ich sah dem Gast an, dass er überrascht war. Angespannt antwortete er: „Wertvolle Zeit. Gerade für uns Diener des Volkes.“ Er studierte Vaters Gesicht und sagte: „Als Theatermacher ist das Wohl der Bürger mein Beruf.“ Wir schauten ihn regungslos an bis er fortfuhr: „Aber leider verringern die neuen mechanischen Bühnen die Sitzplätze. Wir simulieren Wetter und Landschaft. Lassen selbst die Götter erscheinen. Darum muss das Theater in der neuen Stadt grösser werden. Das Publikum wird davon am Meisten profitieren.“ Vater nickte deutlich und sagte ernst: „Natürlich. Ihr seid mit eurem Anliegen am richtigen Ort.“ Dann hinkte er vom Tisch weg und rief: „Kommt. Wir müssen augenblicklich euer Begehren umsetzen.“ Daraufhin eilte der Gast hinterher mit leuchtenden Augen. Auf halber Strecke drehte sich Vater zu ihm und sagte energisch: „Das Glück ist auf euerer Seite. Der Aufseher des Volksrates ist gerade im Haus. Er wird einen offiziellen Antrag erstellen.“ Unser Gast erstarrte und suchte vergebens Halt in den ernsten Augen vor ihm. Dann schnaubte er verächtlich und lief wütend hinaus.

Vater strahlte und sagte: „Niemand kann seinen Eigennutzen manipulativ durchsetzen und ihn gleichzeitig offenlegen. Solche Menschen werden immer den Eindruck wahren wollen, dass sie Rücksicht nehmen auf die Interessen anderer. Darum suchen sie dafür die Dunkelheit. Indem du Klarheit schaffst Elias, werden solche Menschen deine Nähe meiden. Denn es wird sich bald herum sprechen, dass wir als attische Stadtplaner nur zum Wohle der Polis arbeiten.“

zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt

© messina solutions | 20.04.2026

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