Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Autolyse Die hintere Stossstange verabschiedet sich mit einem hellen Klirren von der Karossiere. Keiner der vier Fahrzeuginsassen verliert darüber ein Wort. Auf der Rückbank dreht sich ein junger Mann zur Heckscheibe, um zu beobachten wie das Teil im Horizont verschwindet. Der Fahrer verbannt den aufwallenden Frust. „Nicht das erste und sicher nicht das letzte Teil“, denkt er bei sich. Kein Kilometer später fallen beide Seitenspiegel ab und rollen holpernd zur Seite. Vorsichtig prüft der Fahrer im Rückspiegel die Gesichter seiner Mitreisenden. Noch bevor er sie richtig deuten kann, fällt der Rückspiegel auf seine Hand über dem Schalthebel. Ein unmittelbarer Fluch bricht aus ihm plötzlich hervor, als er seine Hand zurückzieht und begutachtet. „Bring endlich diese Unheilmaschine zum Stehen!“, ruft der Beifahrer verzweifelt und schaut auf den Spiegel in seinem Schoss. Kopfschüttelnd antwortet der Fahrer: „Solange es noch fährt, müssen wir es ausnutzen. Seit Stunden haben wir kein anderes Auto gesehen, noch minimalen Netzempfang auf den Mobiltelefonen.“ Mit gespielter Neugier fragt der ältere Mann auf der Rückbank: „Solltest du als Chef eigentlich nicht besser vorbereitet sein auf so eine Reise?“. Bevor eine Antwort seine Lippen verlässt, rollen alle vier Radkappen davon. Ein ernster Augenaufschlag des Burschen unterbindet die provozierende Eingabe des Seniors neben ihm. “Ich teile euere Sorgen und euren Unmut über die Situation. Wir werden sie gemeinsam überstehen. Egal wie lange es dauert.“, verspricht der Fahrer bemüht die angespannte Atmosphäre aufzulockern. Aber schon wieder kracht es am Heck. Lauter als alles bisher. Der Beifahrer schreit und zuckt zusammen. Ein helles Kratzen stellt sich ein. Die drei Mitfahrer drehen sich um und sehen die sprühenden Funken vom Asphalt aufsteigen. Der Fahrer bremst endlich. „Wir sind verloren! Sieht euch das nur an.“, jammert der Beifahrer und zeigt auf den Auspuff, der aus der gerissenen Halterung vom Unterboden hängt. „Wir müssen jetzt den Rest des Weges zu Fuss gehen. Das hat den Vorteil, dass wir über die Wälder eines der vielen Dörfer erreichen können.“, sagt der Fahrer und lockert den Knopf in seiner Krawatte. Er möchte loslaufen aber der ältere Mann setzt sich demonstrativ ins Auto. „Ich warte hier bis ein Wagen kommt.“ Nach vielen Versuchen ihn umzustimmen, lassen sie ihn zurück. Wenig später kommt ein Auto vorbei und hält neben der geöffneten Motorhaube. „Brauchen sie Hilfe?“, fragt die Fahrerin durch das Beifahrerfenster. „Sehr freundlich“, sagt der Mann und lässt die Haube zufallen, „aber für den Heimweg kann ich mir mit ein paar Handgriffen selber helfen. Es ist nichts, was einen passionierten Liebhaber in Verlegenheit bringt.“ zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt © messina solutions | 28.08.2026 zur Hauptseite | zu LinkedIn Sandra | zu LinkedIn Dario Die Macht der Aufopferung