Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Kein (solcher) Sumpf je vom Himmel gefallen

Gummistiefel im Büro tragen zu müssen, war eine seltsame Umstellung. Um dort fast täglich im grauen Schlamm zu stapfen, waren sie dann doch sehr praktisch. Innerhalb von fünf Tagen sedimentierte sich die Pampe zu sandigem Boden. Aber nach einer Woche standen wir wieder im Schlick. Erst dachte ich, es wäre gut das Problem endgültig zu lösen. Doch das hätte wohl zu lange gedauert. Niemand hätte die liegengebliebene Arbeit je aufholen können. Die Steckdosen waren ja auf Brusthöhe. Also bestand auch keine Gefahr für Leib und Leben.

Gelegentlich bewaffnete sich eine kleine Gruppe mit Eimer, Schaufel und Spitzhacke. Damit wurde dann Schlamm abgeschöpft oder das sandige Gestein aufgelockert und abgetragen. Dabei verursachten die Grabenden so viel Lärm und Schmutz, dass sie aufgaben oder darum gebeten wurden. Solche Versuche mehrten sich immer, wenn neue Angestellte voller Tatendrang kamen. Doch die Zuversicht versickerte schnell wieder. Widerstandslos wateten wir durch den zähflüssigen Matsch und gewöhnten uns an das unebene Gestein. Manche trugen Überhosen oder Wegwerfhandschuhe. Ich lagerte Handbürsten und Haarnetze im Garderobenschrank. Andere bemalten und schmückten ihre Stiefel. Alle benutzten familientradierte Hausmittel gegen die eingekrusteten Flecken.

Es ging nicht anders als diese unfreundliche Umwelt, mindestens auf den Textilien, nach Hause zu tragen. Wo meine Ehefrau nicht müde wurde, ihre Sprachlosigkeit darüber zu verdeutlichen. Alles, was ich mit einem Schulterzucken abtun konnte, fand sie immer noch befremdlich. Also redeten wir oft über das Dahindümpeln des Sumpfes. Die ständige Auseinandersetzung damit, war mir unangenehm. Aber die Kontrastierung war wie das Massieren eingeschlafener Glieder. Sie hat mich aus der Lähmung geweckt.

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© messina solutions | 29.01.2026

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