Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Im Tal der zehrenden Lichtgestalt Als wäre ich in eine Trauerfeier hineingeplatzt. Wehmütige Blicke, hängende Schultern und Seufzer. Seit ich ad interim das Projekt leite, ertrinken meine Einwirkversuche in dieser schweren Beerdigungsstimmung. Mit wiederkehrenden Andeutungen werde ich abgespeist und abserviert. Immer wieder tischt man mir die Lücke auf, die mein Vorgänger hinterlassen hat. Professor Hector Aristide ‚die fesselnde Lichtgestalt von ausserordentlichem Format‘. Zweifelsohne hat er das bemerkenswerte Vermögen, eminent viel Raum in absentia einzunehmen. Keiner weiss, dass ihm die Uni ihre ehrwürdigen Hallen fristlos verschlossen hat. Dass er den Lehrstuhl für Archäologie verliert und ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Noch ist alles vertraulich. In dieser Projektgruppe würde mir ohnehin niemand glauben. Eine Glaubensgemeinschaft, die ihn als Heiligen verehrt und als Märtyrer feiern wird. Für sein Projekt trage ich nun die Verantwortung. Während die Fördergelder und das Ansehen des Dekanats auf dem Spiel stehen. In der Fakultät nennt man inoffiziell alle Detektoren und Sonden beim Vornamen von Aristide. In einem Akt von bizarrem Widerstand, haben auf meiner ersten Tour alle einen schwarzen Trauerflor an ihrem ‚Hector‘ angebracht. Die tiefere Ironie ist, dass er sich stets der Funde anderer bemächtigt hat. Und eben nicht die ausgemachte Spürnase ist für archäologische Funde. Um das zu wissen, sind sie zu jung. Umso trauriger macht mich, dass sie jede Entscheidung aufwiegen, mit denen ihres himmlischen Lichtbringers. Dass er mir wie eine Wolke, über jedem Schritt folgt. Mir ist klar, dass der Schrein den man Hector gebaut hat, bald dem Kuss der Holzwürmer anheimfällt. Nach dem Strafverfahren wird bekannt, dass er sich Vermögensvorteile verschafft hat. Aber der Sand im Getriebe muss endlich abfliessen. Dafür muss sich die geblendete Gefolgschaft, aus dem mentalen Fussfall erheben. Die Vertraulichkeitspflicht lässt mir fast keinen Spielraum. Also habe ich nach Dienstvergehen gesucht, die noch unbekannt sind. Als ich auf eine Konferenz musste, nutzte ich meine Abwesenheit und liess die Dokumente ausliefern. Ins Dekanat und an die Projektgruppe. Jetzt sehe ich die vier verpassten Anrufe vom Sekretariat und weiss, dass ich den Rückruf nicht mehr aufschieben kann. Unsicher und angespannt, bemühte ich mich um eine unauffällige Stimme: „Hallo, du hast mich gesucht?“ – “Hi. Wollte dich bloss vorinformieren. Ein Dossier über Aristide ist im Umlauf. Schicke dir die Details per Mail. Nur damit du nicht überrascht wirst. Komm gut zurück!“ Bei der nächsten Feldsuche, standen alle schon bereit als ich kam. Selbst die hingebungsvollsten Hardliner haben nie wieder die Legenden von Aristide wiedergekaut. zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt © messina solutions | 25.03.2026 zur Hauptseite | zu LinkedIn Sandra | zu LinkedIn Dario Sprachtiefenroboter