Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Glück im Unglück im Glück im …

Die Vögel zwitschern als Felix auf sein Fahrrad steigt. Er freut sich auf den Arbeitsweg. Den Wind im Gesicht zu spüren, weckt in ihm eine selige Freude. Lebenslust, die ihn durch den ganzen Tag trägt. Während er den Seitenständer mit dem Fuss aufklappt, wird ihm klar, dass er nicht eine einzige rote Ampel gesehen hat. Auch auf der Heimfahrt schaltet keine Ampel auf Rot. Eine stille Erkenntnis nistet sich in ihm ein. In dieser Nacht hofft Felix inständig, dass die grüne Welle anhält. Nach dem er an jedem weiteren Tag in dieser Woche staunend sein grünes Wunder erlebt, hat er die Gewissheit. Es muss ein Signal sein. Ein Zeichen vom Universum. Die Bestätigung, dass er im richtigen Mindset angekommen ist. Seine gesamte Innerlichkeit richtet sich auf die Ampeln. Zwischen Angst und Erleichterung bleibt vom Weg nichts mehr übrig für Felix. Der belebende Wind und das Kräftespiel in der Kurvenlage erreichen ihn nicht mehr. Nach einer weiteren Woche, ist er restlos vereinnahmt von der Sicherheit, die ihm die grüne Manifestation einflösst. In der Arbeit ist er so erfolgreich und beliebt wie nie zuvor. Dafür belohnt er sich mit einem bequemeren Sattel.

Die Polsterung auskostend, radelt er morgens gemächlich los. Am Rande seiner Aufmerksamkeit registriert er, wie seine linke Hand sich verselbstständigt. Die Finger strecken sich um die Bremse. Noch bevor das Rad zum Stehen kommt, sieht er die rote Ampel. Wie ein geohrfeigter Bub schiebt er verdattert und überwältigt sein Rad nach Hause. Nur seine innere Anspannung trägt ihn Schritt für Schritt über den Boden, der unter seinen Füssen wegzubrechen droht. Unzählige erfolglose Fahrversuche und ein Arztattest später, regt sich ihn ihm eine erste anregende Vorstellung. Starthilfe, das brauchte er für sein Glück. Nur einen kleinen Schubs. Eine kleine Welle, die er weit genug reiten könnte. Nur so weit bis es eine Rückkopplung gibt. Im Schutz der Nacht verwirklicht er seinen Plan. Als sein Werk vollendet ist, schlummert Felix friedlich ein. Die Leiter und der grüne Farbeimer liegen neben seinem Bett.

Eine Kakophonie aus donnerndem Blech, quietschenden Reifen und Hupen weckt ihn noch vor dem Wecker. Wo lange ein inneres Loch klaffte, findet er heute die vermisste Selbstgewissheit wieder. Er schwingt sich in den Sattel und schaut begeistert auf die erste grüne Ampel. Ein betäubender Frieden löscht das Restfeuer seiner Zweifel. Im Slalom zieht Felix vorbei an den Pylonen. Vorbei an den Pannendreiecken und Karosserieschäden. Zwischen den Rettungskräften in Signalwesten und verstreuten Radkappen. Nicht auf der üblichen Fahrspur. Aber unaufhörlich den immergrünen Glückszeugnissen entlang.

zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt

© messina solutions | 09.01.2026

zur Hauptseite | zu LinkedIn Sandra | zu LinkedIn Dario