Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Sprachtiefenroboter „Der Prototyp ist soweit!“ sagte der Softwareingenieur begeistert. Behutsam legte er einen irisierenden Hemdknopf auf das Pult von Frau Bruchsteg. Mit dem NeedRead wollte sie die Firma an die Marktspitze katapultieren. Mit einem prüfenden Blick fragte sie ihn: „Kamera stellt mehrere Gesichter scharf? Und die Rückblende läuft in allen Sprachen?“ – „Positiv. Mit Frauen- oder Männerstimmen. Knopf mit App koppeln. Rückblende starten.“, leierte er in einem unterkühlten Staccato. Zufrieden sagte sie: „Robin arbeitet an der Präsentation für die Geschäftsleitung. Man soll sehen, wie die Software aus Mimik sowie Stimme Emotionen erkennt und im Gesprächskontext interpretieren kann. Zeigen sie ihr, wie eine Auswertung als Rückblende in der App aussieht.“ Er nickte und verliess emsig das Büro. Gerade mit seiner sparsamen Ausdrucksform war er für sie unverzichtbar. Ein zielfokussierter Austausch war ihr ohnehin am liebsten. Keine Seiltänze oder Hindernisläufe, wo man jedes Wort abwägen muss. Jedes Bedürfnis vorwegnehmen soll. Wehe dir, wenn du als Chefin nur einmal falsch verstanden wirst. Dann wird dir das Loyalitätskonto saldiert und musst zurück auf Feld eins. Dabei blieben beinahe alle Opfer, die man bringt ungesehen und ungehört. Ihr stiegen die Tränen hoch, als sie den Hemdknopf sah. Sie fragte sich, wie sie den NeedRead in ihren Führungsaufgaben anwenden würde. Aus dem Strom von Vorstellungen bildete sich eine deutliche Kulisse, die sie nach und nach erkundete. Sie sah, wie sie im Gespräch leichtfüssig auf Personen einwirkt. Scharfsinnige Fragen stellt und mit beeindruckenden Argumenten brilliert. Beliebte Entscheidungen fällt. In der Kaffeepause dazu sitzt, ohne dass die Gespräche oberflächlich werden. In den Raum kommt und strahlende Gesichter wenden sich ihr zu. Alles aus dem Stegreif. Ohne dafür auf Tuchfühlung zu sein. Eine belebende Kraft füllte ihren ganzen Körper aus. Abrupt riss sie sich aus dem Kopfkino und fixierte den Prototypen. Das war der Weg. Damit konnte sie endlich weit genug in die Leute hineinsehen. Sie brauchte einen Plan. Als Vorgesetzte alle in längere Gespräche zu verwickeln, war viel zu auffällig. Wer die Kamera trug, musste unverfänglich Gespräche über die Chefin initiieren können. Frau Augenreh! Sie war als Einzige immer loyal. Folgsam versprach sie das Team auszufragen. Für die Wohlfahrt der Abteilung, selbstverständlich streng geheim. Vier Tage später, klopfte es pünktlich zur vereinbarten Übergabe an Bruchstegs Büro. Erleichtert rief sie: „Herein!“ Die Tür schwang auf und ein Mann im Dreiteiler trat ein. Leonid Kroner der COO lief wortlos auf die versteinerte Frau zu. Er legte schnaubend den Prototypen vor sie hin. Angesichts seiner unzugänglichen Augen spürte sie, dass es kein Entrinnen mehr gab. Ihre Geisteskräfte verstummten. Sie kämpfte nicht an gegen die Mühlen, die sich gerade in Bewegung setzten, um sie zu zermürben. zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt © messina solutions | 25.02.2026 zur Hauptseite | zu LinkedIn Sandra | zu LinkedIn Dario Kein (solcher) Sumpf je vom Himmel gefallen Im Tal der zehrenden Lichtgestalt