Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt | Es werde nicht

Unsere Köpfe werfen Schattenflecken auf die Sohle der Baugrube unter uns. Wir stehen erwartungsvoll an der Oberkante und wachen über die beharrlichen Anstrengungen der Arbeiter. Sie tragen das Erdreich ab. Bearbeiten den Boden mit Schwingenden Spitzhacken, stechenden Spaten und schabenden Schaufeln. Ich fühle mich doppelt schuldig. Einmal wegen meiner Ohnmacht dieser zwecklosen Arbeit Einhalt zu gebieten. Und dann noch für meine abweichende Meinung. Aber ich kann die Ergebnisse meiner Voruntersuchungen nicht ignorieren. Hier Gold zu erwarten, ist eine Verschwendung von Ressourcen.

Und doch stehe ich jetzt hier. Neben dem neuen Inhaber, der mit dem Stolz eines Lotteriegewinners in die Runde strahlt. Die Abteilungsleiter sonnen sich in seinem Gemüt. Nur ich störe immer wieder mit meiner Bitte diese Aushebung zu beenden. Aber jeder Versuch wird wie eine lästige Fliege verscheucht. Mein nächster Anlauf wird vom ächzenden Quietschen der Seilwinde überdeckt. Der Inhaber zeigt auf den Eimer, der sich per Flaschenzug schaukelnd nähert und kommentiert den offensichtlichen Vorgang. Ein kleiner Schwarm von Angestellten kommt angeflogen und drängt sich neben ihn. Sie empfangen seine Worthülsen mit eifrigem Nicken. Beifallssalven mit der Wirkung eines Startschusses. Er bricht gestikulierend auf zu einem Rundgang. Die Menschentraube klebt an ihm. Ich stehe noch über der Grube und spiele mit der Phantasie eines Goldfundes. Bis zum Einbruch der Dunkelheit hat sich aber nur die Grube vertieft. Die Grabenden kriegen die Strickleiter mit ausgestreckten Armen gerade noch zu fassen und steigen hoch.

Falls sie Morgen noch einmal graben sollen, braucht es eine längere Leiter. Darüber hinaus müssen die Wände gestützt werden. Beides erwähnen die Leistungsträger beiläufig, während sie sich den Staub von den Hosen klopfen. Mit entspannter Resignation reinigen sie ihre Werkzeuge am Wasserschlauch. Ich bange auf die Entscheidung des Inhabers. Werden wir weiter graben? Wenn ja, wie lange noch? Meine Arme klammern sich um die Ledermappe, in der die Grundlage für eine informierte Entscheidung schlummert. Ich habe den dienstbaren Geist dieser Wunderlampe zu entfesseln versucht. Aber keiner möchte seine Stimme hören.

zu Prolog und Disclaimer von Prosa Pralinen und anderes episches Konfekt

© messina solutions | 05.11.2026

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